Brigitte Stutz

Ein zeitgemässes Gottesbild? – Glauben im Zeitalter der Naturwissenschaften

Berichte 2018<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-kelleramt.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>308</div><div class='bid' style='display:none;'>1653</div><div class='usr' style='display:none;'>5</div>

Referat von Hans-Rudolf Stadelmann am Donnerstag, 04. April 2019, 19.30 Uhr im Mehrzweckraum der Ref. Kirche Kelleramt, Chileweg 7c, 8917 Oberlunkhofen.
Hans-Rudolf Stadelmann ist Atomphysiker und Theologe (er hat bis zu seiner Pensionierung in der Schweiz als Gemeindepfarrer gearbeitet). Sein anregendes Buch "Im Herzen der Materie - Glaube im Zeitalter der Naturwissenschaften", Verlag WBG, diskutierten wir anlässlich des Literatur-Abends der Kirchgemeinde Kelleramt im August 2018. Daraus ist der Wunsch entstanden, ihn zu einer Veranstaltung einzuladen.

Seiner Meinung nach ist das biblische Gottesbild, in welchem wir uns Gott als eine ausserweltliche Person vorzustellen haben, mit unserem heutigen Weltbild nicht mehr vereinbar. Die Vorstellung eines Gottes, der als absoluter Weltherrscher nach Belieben Naturgesetze ausser Kraft setzen und von oben her in die Geschicke der Völker und Menschen eingreifen kann, stammt aus einer Zeit, in der die Welt als eine Scheibe verstanden wurde, abgestützt auf Pfeilern in der Urflut. In der damaligen Vorstellung umspannte das Himmelsgewölbe die Erde wie eine Käseglocke und verhinderte so das Eindringen der Urflut.

Stadelmann ist überzeugt: Wenn der christliche Glaube nicht als Fossil aus längst vergangenen Zeiten gelten soll, braucht es dringend neue Begriffe, vielleicht auch neue Mythen, auf jeden Fall aber neue Gottesbilder, die im Kontext des heutigen Weltbildes verständlich sind. Aufgrund der Erkenntnisse der Evolutionstheorien (kosmische Evolution, chemisch-biologische Evolution, Evolution der Tier- und Pflanzenwelt, geistige Evolution) entwickelt Stadelmann ein Gottesbild, das sich in der Evolution offenbart.

Im evolutionären Gottesbild steht Gott, nach Stadelmann, als Weltgeist, der sowohl transzendent wie auch in der Welt immanent ist, in ständiger kreativer Wechselwirkung mit seiner sich entwickelnden Schöpfung. Das bedeutet, dass er nicht willkürlich in Naturvorgänge oder in die Menschheitsgeschichte einzugreifen vermag. Gott kann durchaus weiterhin als Schöpfer und grosser Beweger der Welt verstanden werden, insofern er eben als kreatives Potential im ganzen kosmischen Evolutionsprozess wirkt.

Während evangelikale Kreise nur die in der Bibel dargestellte Schöpfungsgeschichte - am Anfang schuf Gott Himmel und Erde - für glaubwürdig halten, versucht Stadelmann eine Brücke zu schlagen zwischen den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen der Evolution und Aussagen der Bibel. Er kommt so zu neuen Deutungen zentraler Inhalte des christlichen Glaubens wie Jesus Christus, Schöpfung, Offenbarung und Erlösung. Die umfassende Zitatenliste im Buch von Stadelmann zeigt, dass sich vor ihm schon eine ganze Reihe von Theologen dieser Thematik angenommen hat.

Vielleicht gehört es zu unseren spirituellen Aufgaben, sich lebenslang mit Fragen rund um das Geheimnis Gottes auseinanderzusetzen. Die geplante Veranstaltung mit Hans-Rudolf Stadelmann ist dafür eine interessante Anregung.


Kontakt: Felix Maurer, 056 634 42 05,
Bereitgestellt: 24.12.2018     Besuche: 16 Monat 
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