Reto Studer

Über den Job hinaus

Reto Studer <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Reto&nbsp;Studer)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-kelleramt.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>307</div><div class='bid' style='display:none;'>1616</div><div class='usr' style='display:none;'>43</div>

Ein paar Gedanken zu den vergangenen Monaten – und zur kommenden Zeit.
Reto Studer,
Kennen Sie diese Fernsehwerbung? Da bedanken sich in kurzen (gespielten) Szenen Menschen bei verschiedenen Berufsangehörigen für deren aussergewöhnliches Engagement, und diese antworten jeweils mit dem Satz: «Ich han doch eifach nur min Job g’macht!»

Ich schaffe es nur selten, diesen Spot unkommentiert zu lassen (fragen Sie meine Frau!) – weil er ja exakt das Gegenteil dessen aussagt, was er eigentlich zum Ausdruck bringen möchte. Er will zeigen, dass diese ausgewählten Menschen viel, viel mehr tun, als von ihnen erwartet werden darf, und dass ihnen dafür unser Dank gebührt. Ihre Antwort hingegen lässt darauf schliessen, dass sie diesen Einsatz nur deshalb so leisten, weil es halt in ihrem Pflichtenheft steht: «eifach nur min Job!»...

Das ist natürlich ein Versehen. Dass der Widerspruch den Macher*innen des Spots nicht aufgefallen ist, zeigt aber schön, wie unbeholfen viele von uns darin sind, Komplimente und Lob entgegenzunehmen. Am liebsten machen wir nicht viel Aufhebens um das, was wir an Gutem tun. Lieber relativieren wir dieses Gute sogleich, wenn wir darauf angesprochen werden! Das ist grundsympathisch; wir lassen damit aber zugleich die Dankbarkeit (und die Dankbaren) ins Leere laufen.

Vor ein paar Monaten habe ich an dieser Stelle geschrieben, dass mich in der Zeit des (Teil-)Lockdowns viele Menschen unglaublich beeindruckt haben. So viel Offenheit und Echtheit und Ehrlichkeit bei unseren Kontakten... und so viel Fürsorge für Andere! Das hat mich nachhaltig «be-geist-ert».

Obwohl mittlerweile manches wieder erlaubt ist, was in jenen Monaten untersagt war, ist seither für viele das Leben kaum einfacher geworden. Die Eigenverantwortung spielt jetzt wieder eine grössere Rolle, vieles dürfen (und müssen) wir also wieder selber entscheiden. Das ist erfreulich, kann allerdings auch überfordern. Und noch immer erlebe ich aber vieles, was mich beeindruckt: viel Tapferkeit, viel Geduld... viel Solidarität!

Gerne möchte ich mein Kompliment und meinen Dank vom Sommer deshalb wiederholen – in der festen Überzeugung, nein: im Wissen, dass die allermeisten von Ihnen sich aus eigenem Antrieb so solidarisch verhalten: weil sie das für richtig halten... und eben nicht, weil es «ihr Job ist».

Jetzt werden die Tage kürzer, die Schatten länger. Kommen wir weiterhin gemeinsam durch diese schwierige Zeit! Wir sind jederzeit für Sie da.

Ihr Reto Studer
Bereitgestellt: 17.10.2020     Besuche: 51 Monat 
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