Cindy Studer-Seiler

«Leading in turbulent Times»

Meine Bilder <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Cindy&nbsp;Studer-Seiler)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-kelleramt.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>247</div><div class='bid' style='display:none;'>1740</div><div class='usr' style='display:none;'>44</div>

Für die aktuelle Ausgabe von «reformiert Aargau» durfte ich ein kurzes Interview geben. Darin spreche ich mit der Journalistin Eva Mell über Innovation und Führung in Zeiten von Corona. Hier möchte ich meine Erkenntnisse noch ein bisschen ausführlicher teilen – weil ich überzeugt bin, dass diese auch für andere Bereiche relevant sein können.
Cindy Studer-Seiler,
Wir alle haben turbulente Monate hinter uns. Auch wir im Pfarramt mussten unsere Arbeit z.T. neu erfinden. Mit Blick auf Führung und Innovation haben sich dabei für mich fünf Regeln herauskristallisiert, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte.

#1 In turbulenten Zeiten ist Führung besonders wichtig.
Je unsicherer die Zeiten sind, umso wichtiger ist es, positiv und aktiv zu führen. Folgende Fragen könnten uns dabei leiten: Was ist jetzt an der Reihe? Was kann losgelassen werden? Wo kann ich helfen? Wie können wir die Situation nutzen, um unsere Organisation zu verbessern? Ich hoffe, dass uns dies mit unserem «Corona-Engagement» gelungen ist: mit den zahlreichen Gesprächen mit Ihnen, mit unseren diversen Online-Formaten, dem Blog «Bei-sammen.ch», unserem Adventskalender, den vielen helfenden Händen und unseren bunten spirituellen Formaten, in denen wir stets betont haben: nur wer tief in sich selbst ruht, kann klare Entscheidungen treffen.

#2 Führe mit einer klaren Vision.
Leadership bedeutet nicht einfach folgen. Wer führt, der geht mutig voraus. Das geht nur mit einer klaren Vision, die idealerweise vom eigenen Herzen, von Talenten und vom Instinkt genährt wird. Und der steten Frage im Hintergrund: Wie können wir die Welt von morgen ein wenig besser machen. Dabei ist es wichtig, sich nicht zu fest zu vergleichen oder sich gar ständig zu überlegen, was andere denken könnten; dadurch verlieren wir oft unsere Klarheit. Wir vom Pfarramt möchten Spiritualität neu buchstabieren und den Wandel von morgen aktiv und visionär mitgestalten. Hierzu probieren wir immer wieder neue Gefässe von Einkehr, Diskussion und Inspiration aus – übrigens auch im kommenden Jahr: Im Frühling verschicken wir den neuen Events-Flyer. Sie dürfen sich darauf freuen!

#3 Brich die Regeln!
Dabei geht es nicht, wie man meinen könnte, um Provokation der Provokation willen, sondern darum, uns und unsere Grenzen ständig zu erweitern. Dafür braucht es einen offenen und neugierigen Geist, der ständig fragt: In welcher Kultur leben wir? Welche Sorgen und Nöte, welche Freuden sind vorherrschend? Es geht darum sich abzeichnende Themen und Bewegungen frühzeitig zu erfassen und – auch kontroverse Themen – zur Diskussion zu stellen. Dieser grenzerweiternde Ansatz ist auch in unser innovatives Leitbild, sozusagen das Herzstück unserer Arbeit, geflossen und ist immer wieder Thema in unseren horizonterweiternden Veranstaltungen.

#4 Eine grosse Vision braucht Zeit.
Die Kirche ist eine in der Tradition behaftete, schwerfällige Institution mit einer jahrtausend alten Geschichte im Rucksack. Deshalb lässt sie sich nicht von heute auf morgen verändern. Allen, die in der Kirche in irgendeiner Form Verantwortung tragen, ist es deshalb aufgegeben, sich und uns alle immer wieder – so liebevoll wie bestimmt – dazu zu bringen, «grösser zu denken». Dazu braucht es einen langen Atem und viel Geduld. Ich empfinde es aber zugleich auch als grosse Ehre für eine solch altehrwürdige «Marke» tätig sein zu dürfen und ihr dabei zu helfen, in der modernen Welt neu Fuss zu fassen.

#5 Ohne gutes Team bist du nichts.
Einzelkämpfer haben es in der heutigen Zeit schwer. Deshalb ist es essentiell, ein gutes Team um sich zu wissen. Wir sollten in unseren Gremien und Gruppen die höchstmögliche Vielfalt anstreben – und unbedingt Menschen an Bord haben, die einem auch widersprechen und die sich aber konstruktiv für ihre eigenen Ansichten und Haltungen stark machen. Bei aller Verschiedenheit ist eines m.E. unabdingbar: Man braucht Menschen an der Seite, die einen nicht bremsen, sondern vorantreiben – weil sie ebenfalls «das Bessere» suchen. Wir möchten Ihnen, liebe Kirchgemeinde-Mitglieder, an dieser Stelle für Ihr Engagement und Ihre Unterstützung von Herzen danken. Ihre Rückmeldungen haben uns in den vergangenen Monaten besonders viel Schwung gegeben.

Ich hoffe, dass ich Ihnen ein paar Inspirationen für ihr eigenes Umfeld mitgeben konnte. Wir alle sind ja in bestimmten Bereichen Führungspersonen: sei es in der Familie, in Vereinen, am Arbeitsplatz oder im privaten Umfeld. Und in erster Linie müssen wir uns alle aber auch immer wieder selber führen: «Leadership» beginnt stets mit «Self-Leadership».

Herzlich,

Ihre Pfarrerin Cindy Studer-Seiler
Bereitgestellt: 03.01.2021     Besuche: 37 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch